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Biosozialität und New Public Health. Die schweizerische Schwulenbewegung im Zeitalter von HIV/Aids (1980–2000)

Trotz der Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Sexualkontakte unter Erwachsenen hielten sich die Homosexuellen aufgrund der nach wie vor starken Repression auch nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Erst im Umfeld der Neuen Sozialen Bewegungen um 1968 formierte sich auch eine neue Schwulenbewegung, die sich nicht mehr verstecken wollte und offensiv ihre Rechte einforderte. War sie in den 1970er-Jahren noch allgemeinen emanzipatorischen Anliegen verpflichtet, wurden diese in den 1980er-Jahren vom Kampf gegen Aids/HIV überlagert: Mit dem Aufkommen neuer präventiver Strategien gingen Teile der Schwulenbewegung enge Verbindungen mit staatlichen Strukturen ein, etwa bei der STOP AIDS-Kampagne. Diese Entwicklung lässt sich als Aspekt weitreichender Veränderungen im öffentlichen Gesundheitswesen (New Public Health) und des Sozialstaats im Allgemeinen hin zu stärker ökonomisierten und selbstregulierten Systemen beschreiben, in denen den Individuen eine erhöhte präventive Verantwortung zugewiesen wird.

Für die USA wurde untersucht, wie sich in den Homosexuellenbewegungen als Reaktion auf Aids eine Patientenbewegung formierte, die erfolgreich Mitsprache bei pharmazeutischen Versuchen und staatlichen Zulassungsverfahren einforderte. Für solche komplexen Wechselwirkungen zwischen biomedizinischen Praktiken und Deutungsangeboten auf der einen und Subjektivierungs- und Vergesellschaftungsprozessen auf der andern Seite hat Paul Rabinow den Begriff "Biosozialität" eingeführt. Ebenfalls auf die Frage nach der gesellschaftlichen Teilhabe von Betroffenen zielen die Debatten um die umfangreichen Transformationen von Staatsbürgerschaft in den letzten Jahrzehnten, die unter dem Stichwort "Biological Citizenship" geführt werden. In meinem Vortrag gehe ich der Frage nach, inwieweit diese Konzepte auf die schweizerische Schwulenbewegung übertragbar sind. Es handelt sich dabei um erste Resultate meines Dissertationsprojektes.

ReferentIn


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