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Identitätspolitik, Netzwerke und ein Abgrenzungsnarrativ. Zur Wissensgeschichte der Beziehungen zwischen der „völkischen" und der Schweizer Volkskunde

Die Wissenschaftsgeschichte der deutschsprachigen Volkskunde perpetuiert seit Jahren ein konzises Narrativ: Die Volkskunde in der Schweiz habe sich bereits früh von einer nationalistisch und rassisch argumentierenden „völkischen Wissenschaft“ in Deutschland und Österreich distanziert und ihr mit dem national angelegten Grossprojekt „Atlas der schweizerischen Volkskunde“ eine eigenständige Kulturraum-Forschung entgegengestellt, die letztlich darauf zielte, die schweizerische Unabhängigkeit wissenschaftlich zu begründen. Aus dieser gesicherten Position habe das Fach – vor allem Richard Weiss’ Werk „Volkskunde der Schweiz“ (1946) – als Rettungsanker für ein diskreditiertes Fach gedient.

So plausibel diese Konstruktion ist, so verdeckt sie doch zwei Zusammenhänge. Einerseits existierten zwischen Schweizer Volkskundlern und Wissenschaftlern im NS-Machtbereich personelle Netzwerke. Diese überdauerten die 1930er-Jahre, setzten sich auch nach 1945 fort und führten zu einer engen Verbundenheit bezüglich Epistemologie, Methoden und Fachkonzeption. Andererseits verkennt das Abgrenzungsnarrativ den sich durch den Aufstieg des europäischen Faschismus ergebenden Möglichkeitsraum für die junge Disziplin. Gerade die „Geistige Landesverteidigung“ ermöglichte es dem Fach, sich über die ethnografische Erforschung der „eigenen Volkskultur“ und der „kulturellen Vielfalt“ universitär zu etablieren und sich identitätspolitisch zu positionieren. Damit ergeben sich Hinweise auf die wissenschafts- und gesellschaftspolitischen Motivlagen für die bis heute wirkmächtige Abgrenzungs-Erzählung einer „neutralen Schweizer Volkskunde“. Sichtbar wird eine zwischen 1930 und 1960 über den Fokus auf die alpine Hirten- und Bauernkultur zwar staatspolitisch mobilisierbare, aber über konservative Modernisierungskritik letztlich doch auch widersprüchliche Disziplin, deren Themen und Karrieren viel jener Ambivalenz spiegeln, in der sich auch die schweizerische Gesellschaft in der Nachkriegszeit wiederfand.

ReferentIn


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