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Krise und Neoliberalismus – Entstehung einer neuen Regierungsrationalität seit den 1970er-Jahren?

Donnerstag, 9. Juni
15:00 bis 16:30 Uhr
Raum 3059

Ob Michel Foucault derjenige Forscher war, der die Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren am nachhaltigsten geprägt hat, mag umstritten sein. Unbestritten ist hingegen, dass Foucault als kritischer Zeitzeuge bis heute wenig wissenschaftliche Beachtung geschenkt wurde. Dies ist erstaunlich, verstand er es doch, politische Ereignisse, sozioökonomische Brüche und gesellschaftliche Entwicklungen früh zu erkennen, präzise zu beschreiben und originell zu deuten. Eines dieser Phänomene war der „Neoliberalismus“, den Foucault im Rahmen seiner Gouvernementalitäts-Vorlesungen 1978/79 behandelte. Interessant dabei ist nicht nur der Versuch, diese neue „liberale Regierungsrationalität“ zu analysieren. Spannend ist vor allem die Ungewissheit, die Foucault mit Blick auf die Zukunft des neoliberalen Projekts immer wieder äusserte. So fragte er: „Kann der Liberalismus (...) sein wirkliches Ziel durchsetzen, nämlich eine allgemeine Formalisierung der Staatsmacht und der Organisation der Gesellschaft auf der Grundlage einer Marktwirtschaft? Kann der Markt wirklich die Kraft der Formalisierung sowohl für den Staat als auch für die Gesellschaft haben?“ (GdB 2006, S. 169) Der 1984 verstorbene Foucault konnte auf diese Fragen keine Antworten mehr geben. Für ihn war der Anfang der „neoliberalen Invasion“ (Bourdieu) zwar erkennbar, doch blieben deren Effekte letztlich fraglich – nicht zuletzt deshalb sprach er von einer „historischen Wette“ (GdB 2006, S. 251) mit ungewissem Ausgang.

Foucaults Ungewissheit ist nicht erstaunlich, handelte es sich bei den 70er-Jahren doch um eine tiefgreifende Umbruchphase „nach dem Boom“ (Doering-Manteuffel/Raphael). Seine Zeitdiagnose verweist auf ein heuristisches Potenzial, das sich das Panel zunutze machen möchte. Ausgehend von seiner These, dass sich in den 70er-Jahren eine neue Art des Regierens zu verfestigen beginne, soll die Geschichte dieser neuen Regierungsrationalität als ereignisoffener Prozess diskutiert werden, in dem sich staatliche, gesellschaftliche und politische Formen und Orte der Macht gewandelt haben. Um zu klären, ob der „Markt“ als regulatives Strukturprinzip den Staat zu informieren, die Gesellschaft zu reformieren und die Individuen zu disziplinieren vermochte, sind Fallstudien gesucht, die sich mit verschiedenen Krisen (von der „Krise des Sozialstaates“ über die „Krise der Männlichkeit“ bis zur „Midlife-Crisis“) in der Schweiz beschäftigen.

Bei den Panel-Beiträgen soll a) den spezifischen, von neuen Wissensformen geprägten Krisendiskursen und ihren Trägern nachgegangen werden, in welche die Problemdiagnosen eingebettet waren, b) danach gefragt werden, welche neuartigen Lösungsansätze die verorteten „Probleme“ zu lösen versprachen und c) untersucht werden, ob resp. inwiefern die verhandelten Lösungsansätze die staatlichen, gesellschaftlichen und politischen Machtverhältnisse nach Marktlogiken zu strukturieren vermochten.

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