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Zahlen der (Ohn-)Macht – (Ohn-)Macht der Zahlen. Quantifizierung als soziale Herrschaftspraxis im 20. Jahrhundert (Doppelpanel Teil 1)

Samstag, 11. Juni
09:15 bis 10:45 Uhr
Raum 3017

Max Webers These einer durch Bürokratisierung und Verwissenschaftlichung angetriebenen „Entzauberung der Welt“ würde ohne Zahlen keinen Sinn machen. In modernen Gesellschaften sind Zahlen letztlich eine „lingua franca“ mit welcher sozioökonomische, politische und kulturelle Phänomene erfasst, verglichen und übersetzt werden. Zahlen suggerieren zudem Eindeutigkeit und Objektivität, weshalb sie in wissenschaftlichen Diskursen auch als Mittel zur Konstruktion universeller Wissens- und damit auch Machtansprüche eingesetzt wurden und werden. Doch Zahlen machen nicht nur soziale Realitäten sicht-, quantifizier- und vergleichbar, sondern haben ihrerseits eine konstituierende Wirkung auf die Wahrnehmung und Deutung dieser Realität. Die zahlenmässige Erfassung und Sichtbarmachung sozialer Realitäten ist deshalb immer auch gleichzeitig perspektivisch präfiguriert; sie verbirgt, verdeckt und verzerrt. Was vermögen Zahlen also zu erfassen? Wo liegen die Grenzen einer quantitativen Erschliessung der sozialen Welt? Und in welchem Verhältnis stehen Praktiken der Quantifizierung zu gesellschaftlicher Deutungsmacht über jene Phänomene, die zahlenmässig erfasst werden?

Obwohl der kalte Tatsachenblick der Zahlen Semantiken der Objektivität, Evidenz und Unparteilichkeit transponiert, gab er auch immer wieder Anlass zu hitzigen Debatten über Repräsentativität und Aussagekraft, die weit über den engen Kreis der wissenschaftlichen Statistik hinausgingen.

Dieses Panel geht Aspekten der Quantifizierung als sozialer Herrschaftspraxis in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen nach. Konkret wird nach der Art und Weise gefragt, wie Zahlen im 20. Jahrhundert erhoben und welche Wahrheitsansprüche mit ihnen kommuniziert wurden, welche Debatten sie ausgelöst haben, welche Auswirkungen sie auf die „Verwissenschaftlichung des Sozialen“ (Lutz Raphael) und welche Rückkoppelungseffekte sie auf die Wahrnehmung und Deutung der quantitativ erfassten Phänomene hatten. Gefragt wird aber auch danach, wieweit die immer umstrittenen Statistiken zugleich als Mittel zur Integration wirkten? Denn Zahlen bildeten per definitionem immer auch ein gemeinsames Referenzobjekt, das nicht nur zu Auseinandersetzungen führte, sondern auch zur Versachlichung und De-Eskalierung politischer Debatten beitrug.

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