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Globale Schweiz. Von der frühneuzeitlichen Drehscheibe für Waren und Wissen zur modernen Wirtschaftsmacht (Teil 1)

Donnerstag, 9. Juni
11:15 bis 12:45 Uhr
Raum 3021

Als „heimliches Imperium“ hat Lorenz Stucki die Schweiz 1968 bezeichnet. Folgt man den vielfältigen Aussenbeziehungen der Schweiz, so kommt einem allerdings eher der Begriff „unheimliche Globalisierungspioniere“ in den Sinn. Schweizer Handwerker und Industrielle kupferten auf Auslandreisen technische Verfahren ab und bauten darauf ganze Geschäftszweige auf. Kaufleute erschlossen Geschäftsmöglichkeiten in fernen Ländern und schufen globale Märkte, sie waren fasziniert von der ästhetischen Qualität „exotischer“ Waren und revolutionierten den europäischen Geschmack. Schweizer Missionare, Forscher und Auswanderer transformierten in Asien, Afrika, Süd- und Nordamerika soziale Beziehungen, Arbeitsweisen und die Landwirtschaft. Sie etablierten grenzüberschreitende Werte und Symbole, Beziehungen und Austauschverhältnisse, zementierten aber auch Unterschiede – zwischen reich und arm, zwischen Lieferanten und Konsumenten, zwischen Ost und West, Nord und Süd. Einige von ihnen waren erfolgreich, andere gingen angesichts sich verändernder Weltlagen wieder unter. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht an nationalen Grenzen interessiert waren, sondern an globaler Expansion.

In einem Doppelpanel möchten wir die Geschichte dieser globalen Schweiz beleuchten. Der gemeinsame Nenner ist die Ökonomie – verstanden im weitesten Sinn als Praxis des politisch eingebetteten und soziokulturell bedingten Wirtschaftens. Die einzelnen Fallstudien beleuchten überregionale bzw. transnationale Verflechtungen, die Machtverhältnisse schufen. Macht wirkt, so unsere These, nicht nur gegen aussen, sondern immer auch gegen innen: in den Betrieb, in die Gesellschaft, in das Wissen über sich selbst und die anderen. Eine solche Herangehensweise profitiert von historiographischen Ansätzen aus der Globalgeschichte, der New Imperial History und den Postcolonial Studies. Letztere untersuchen grenzüberschreitende Zuschreibungen und Ausgrenzungsverhältnisse entlang von Kategorien wie Rasse, Sozialstatus und Geschlecht. In diesem Panel möchten wir globale wirtschaftliche Verflechtungen aber nicht nur auf ihren „kolonialen Gehalt“, sondern auch auf ihre globale Gestaltungskraft hin untersuchen – sei es in ästhetischem, technischem oder politischem Sinn. Wir fragen nach der Mobilität von Waren, Kapital und Wissen und davon ausgehend nach grenzüberschreitenden Machtbeziehungen und hegemonialen Wirtschaftsverhältnissen.

Mit diesem Zugang erhoffen wir uns eine Neuorientierung der Schweizer Geschichte: weg von den nationalen Mythen (bzw. ihrer Dekonstruktion), weg auch von einer auf Europa ausgerichteten politischen und wirtschaftlichen Geschichte, hin zu jener Schweiz, die in Rio de Janeiro, Kalkutta, Accra und Tokio geschaffen wurde.

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