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Zwischen Revolution und Transformation. Homosexualität/LGBT*Q und Staatsbürgerschaft in der Schweiz seit den 1970er Jahren

Samstag, 11. Juni
13:45 bis 15:15 Uhr
Raum 2098

Staatsbürgerschaft unterlag in den vergangenen Jahrzehnten weitreichenden Veränderungen, nicht zuletzt in jenen Bereichen, die aktuell unter Stichworten wie "Sexual" oder "Biological Citizenship" diskutiert werden. Seit dem 19. Jahrhundert sind Biologie und Sexualität zentrale Aspekte von staatlichen Anrufungen wie von Forderungen nach Teilhabe. Davon zeugen die zahlreichen reproduktions-, gesundheits- und sexualpolitischen Debatten, die ihre institutionalisierte Form nicht zuletzt in den staatlichen Gesundheitssystemen und deren Aus- und Einschlusspraktiken fanden. Im letzten Drittel des 20. Jahrhundert kam es zu wichtigen Transformationen dieses Arrangements. Erstens lassen sich neue Formen der biomedizinischen, gesundheitspolitischen und sexuellen Anrufung erkennen. Stärker als bisher sahen sich die Menschen der Forderung nach körperlicher, sexueller oder genetischer "Eigenverantwortlichkeit« ausgesetzt: Man sollte des eigenen Glückes SchmiedIn sein – wozu insbesondere eine "glückliche" Sexualität gehört – und sich für die eigene Gesundheit wie jene der Nachkommen einsetzen. Zweitens nahmen auf dieser Basis begründete Forderungen nach Teilhabe und Reformulierung von Staatsbürgerschaft zu. Sie sind nicht zuletzt im Kontext der Neuen Sozialen Bewegungen seit den 1960er und 1970er Jahren und ihrer Organisations- und Aktionsformen zu sehen.

Mit den Homosexuellen- bzw. LGBT*Q-Bewegungen fokussiert das Panel auf AkteurInnen, denen die Forschung eine zentrale Rolle in dieser Geschichte zuschreibt, die aber in der schweizerischen Historiografie bisher noch wenig unter diesem Blickwinkel untersucht wurden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit vieler internationaler Studien steht der Kampf gegen Aids/HIV, das sich zwischen den frühen 1980er und Mitte der 1990er Jahre von einem lebensbedrohlichen Infekt zu einer chronischen Krankheit wandelte, deren Folgen medikamentös stabilisiert werden können. Vor diesem Hintergrund thematisiert das Panel erstens die Folgen biomedizinischer Praktiken und Vorstellungen für die betroffenen Gruppen in der Schweiz. Es stellt die Frage, ob und wie diese an der Wissensproduktion und an gesundheitspolitischen Interventionen beteiligt waren und so an der Etablierung heutiger Debatten über Staatsbürgerschaft mitwirkten. Zugleich geht das Panel über diesen Themenbereich hinaus, indem zweitens die Revision des Sexualstrafrechts zwischen 1974 und 1992 als einer der weiteren zentralen Orte analysiert wird, an denen sich die Homosexuellenbewegungen in der Schweiz für eine staatsbürgerliche Anerkennung jenseits der bisher dominierenden bio- und sexualitätspolitischen Regime einsetzten. Drittens schliesslich fragt das Panel nach den sich wandelnden Familienkonzepten in den LGBT*Q-Bewegungen seit den 1970er Jahren, indem es die Geschichte der aktuell zu beobachtenden Reduktion von Forderungen auf den gleichberechtigten Zugang zu Ehe und Familie inklusive reproduktiver Rechte rekonstruiert.

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