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Die Macht der Konventionen. Wohlfahrtsproduktion an der Schnittstelle zwischen Sozialstaat und Wirtschaft

Freitag, 10. Juni
16:30 bis 18:00 Uhr
Raum 3148

Der aus der französischen Wirtschaftssoziologie stammende Ansatz der „Ökonomie der Konventionen“ (Économie des Conventions, EC) wird zunehmend auch in den Geschichtswissenschaften rezipiert. Konventionen werden als alltagspraktische Legitimationsschemata und Handlungslogiken zur Ermöglichung von Koordination in Situationen der Unsicherheit begriffen. Konventionen dienen als Instrument der Rechtfertigung und sie stellen Rahmen zur Qualitätsbewertung von Gütern und Akteuren (z.B. Arbeitskräften) bereit. Insofern die EC von einer Pluralität von Konventionen in gegebenen sozialen Situationen ausgeht, geraten Aushandlungsprozesse über die Geltung von Konventionen in den Blick, mithin auch die Frage nach der Macht, kulturelle Deutungen durchzusetzen.

Das interdisziplinär angelegte Panel thematisiert die EC als Instrument historischer Analyse und diskutiert Möglichkeiten, die sich mit dem Ansatz für die Geschichtswissenschaften eröffnen. Das erste Referat bietet eine Einführung in die EC und erläutert Potenziale für historische Studien. Es werden dafür entsprechende Arbeiten aus der EC zur Sozialgeschichte sozialer Institutionen diskutiert. Zudem werden neuere Entwicklungen in der EC erläutert, wie der Einbezug von Konzepten Foucaults wie Diskurs, Dispositiv und Macht. Anschliessend wird die Macht der Konventionen an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wohlfahrtsstaat anhand empirischer Befunde aus je einer historischen und soziologischen Studie behandelt. Im Fokus steht die „soziale Verantwortung“ von Wirtschaftsunternehmen für die Wohlfahrtsproduktion. Die Beiträge analysieren die Thematik am Beispiel der Beschäftigung von „Behinderten“. Konventionentheoretisch steht hier der Wert von Arbeitskräften mit „Leistungseinschränkungen“ zur Disposition sowie die (begrenzte) Macht des Wohlfahrtsstaats, die diesbezügliche Deutungshoheit und die Kalküle von Wirtschaftsakteuren zu beeinflussen. Arbeitgebern wird dabei eine einzig an der Marktkonvention orientierte Handlungslogik unterstellt. Neuere historische Ansätze – z.B. in der Unternehmensgeschichte – interessieren sich hingegen für spezifische betriebliche Normen- und Wertesysteme, die wirtschaftliches Handeln bedingen. Die EC bietet sich in diesem Sinne als Analyserahmen an, um Qualitätszuschreibungen bzw. „Wertigkeiten“ zu beschreiben; im vorliegenden Fall bei Arbeitskräften, die nicht voll leistungsfähig sind und deren Anstellung durch Unternehmen einem rein auf Nutzenmaximierung ausgerichteten Handeln zu widersprechen scheint. Die empirischen Daten stammen aus je einer ethnografischen und einer historischen Teilstudie eines durch den Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekts (Nr. 100017_153638).

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