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Forschungen, Karrieren, Netzwerke. Der Nationalsozialismus und die Arbeit der Wissenschaften in der Schweiz

Freitag, 10. Juni
09:15 bis 10:45 Uhr
Raum 3068

Seit den 1980er Jahren und verstärkt seit den Arbeiten der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg hat die historische Forschung ihr Interesse auf die ökonomischen und politischen Verflechtungen zwischen der Schweiz und Nazideutschland gerichtet. Wenig erforscht sind allerdings die Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Schweiz auf wissenschaftlichem Gebiet. Disziplinengeschichtliche Darstellungen argumentieren meist mit einem Abgrenzungsnarrativ: Die Wissenschaften in der Schweiz hätten sich bewusst von den politisch vereinnahmten Forschungen in Nazideutschland distanziert und sich weitgehend autonom von diesen entwickelt. Dieses Bild einer objektiven und politisch neutralen Schweizer Wissenschaft diente nicht nur zur disziplinären Legitimation, sondern lieferte auch ein Narrativ für die Forschungsarbeit während und nach dem Krieg: Die Distanz zur NS-Wissenschaft habe den Anschluss an die internationale Forschung erleichtert und neue Austauschbeziehungen ermöglicht.

Dieses Narrativ blendet die vielfältigen und auch durch den Krieg nicht abbrechenden Beziehungen aus, die Schweizer Wissenschaftler zu Akteuren und Institutionen im NS-Herrschaftsbereich pflegten. Hitlers Herrschaft in Europa öffnete auch für Schweizer Wissenschaftler neue Möglichkeits- und Handlungsräume, die auf ganz unterschiedliche Weise genutzt werden konnten. Die „Arbeit der Wissenschaften“ (Christoph Hoffmann) in der Schweiz entwickelte sich nicht unabhängig, sondern in Interaktion mit den sich wandelnden Machtverhältnissen in Europa.

Das Panel nimmt diese transnationale und politische Dimension der Schweizer Wissenschaftsgeschichte in den Blick. Anhand von Fallstudien zu unterschiedlichen Disziplinen der Natur-, Technik-, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Medizin soll untersucht werden, wie wissenschaftliche Institutionen, Praktiken und Diskurse in der Schweiz mit Konstellationen politischer und ideologischer Machtausübung in Europa verschränkt waren. Damit wird eine Brücke zwischen wissenschaftshistorischen Arbeiten zur Schweiz und der Wissenschaftsforschung zum Nationalsozialismus in Österreich und Deutschland geschlagen.

Folgende Fragen stehen im Zentrum: Welche Beziehungen pflegten Schweizer Wissenschaftler und Universitäten mit wissenschaftlichen und politischen Akteuren in Nazideutschland und wie beeinflussten diese Beziehungen wissenschaftliche Praktiken, Diskurse und Disziplinen, aber auch persönliche Karrieren und institutionelle Strategien in der Schweiz? Wie veränderten sich die Praktiken und Epistemologien der Wissensproduktion in der Schweiz durch die Erfahrungen und Austauschbeziehungen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg? Welche Narrative über die Abgrenzungen zu und Verschränkungen mit Nazideutschland etablierten sich während und nach dem Krieg? Wie wurden diese Erzählungen in der schweizerischen Disziplinenlandschaft und Wissenschaftspolitik nach 1945 genutzt?

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