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«Macht und Ohnmacht des Neutralen»: Zur «Sattelzeit» der schweizerischen Aussenpolitik in den 1970er Jahren

Freitag, 10. Juni
11:15 bis 12:45 Uhr
Raum 3017

Neuere Forschungen sowie das zügige Voranschreiten des Forschungsprojektes der Diplomatischen Dokumente der Schweiz zum Anschluss an die 30jährige Archivschutzfrist ermöglichen es, einen zunehmend klareren Blick auf die internationalen Beziehungen der Schweiz in den 1970er Jahren zu werfen.

Mit «Macht und Ohnmacht des Neutralen» kommentierte der Politologe Daniel Frei 1970 eine vergleichende Aufsatzsammlung über die Handlungsspielräume der neutralen Staaten Europas im Kontext einer Aktivierung ihrer Aussenpolitik. Ausgehend von neuen Forschungserkenntnissen beabsichtigt das Panel die These auszuloten, inwiefern die erste Hälfte der 1970er Jahre für die internationalen Beziehungen der Schweiz eine eigentliche «Sattelzeit» vom alten immobilistischen Neutralitätsparadigma hin zu einer aktiveren Aussenpolitik bedeutet. Tatsächlich beförderte der Übergang vom Bilateralismus zum Multilateralismus im Wirtschaftsverkehr – von den GATT-Runden bis zur EFTA – bereits eine rege internationale Vernetzungstätigkeit der Schweizer Diplomatie. Mit den Verhandlungen im Umfeld der KSZE setzte nun aber neu auch eine rege Reisediplomatie von Bundesräten und Chefbeamten für politische Konsultationen mit den Regierungen sowohl im Westen wie auch im Osten des Kontinents ein. Im KSZE-Prozess setzte sich die Schweiz im Verband mit den neutralen und nichtgebundenen Staaten engagiert ein, wuchs über ihre traditionelle Zurückhaltung hinaus und konnte sich als aktive Gestalterin profilieren.

Insgesamt bedeutete die Aktivierung der Aussenpolitik im Zeitalter der Détente eine Erweiterung der Handlungsspielräume der Schweizer Diplomatie innerhalb des Machtgefüges des Kalten Krieges. Dies betraf auch die Intensivierung der Kontakte zu den Ländern der «Dritten Welt», die durch die Ölkrise vermehrt in den Fokus der internationalen Beziehungen gerieten. Die neuen Wechselwirkungen auf internationaler Ebene spiegeln sich auch in der veränderten Sicherheitslage. Die frühen 1970er Jahre standen unter dem Zeichen eines sich entwickelnden internationalen Terrorismus, dessen Auswirkungen sich auch die Schweiz nicht entziehen konnte (1969 Kloten, 1970 Würenlingen/Zerqa). Diese Entwicklungen trafen das Land in seinem seit dem Zweiten Weltkrieg zementierten Selbstverständnis als «friedliche Insel» schockartig und zeigten der schweizerischen Öffentlichkeit, dass sich das Land trotz seiner Neutralität nicht ausserhalb der Konfliktlinien dieser Welt befand. Die weltweite Wirtschaftskrise, deren Auswirkungen Mitte der 1970er Jahre auch in der Schweiz deutlich zutage traten, zeigte noch einmal mit aller Deutlichkeit auf, wie stark das Land von internationalen Ereignissen beeinflusst wurde. Es stellt sich also die Frage, inwiefern die Aktivierung des aussenpolitischen Potentials einer wachsenden Handlungsmacht auf internationaler Ebene entspricht oder vielmehr Ausdruck einer wachsenden Ohnmacht gegenüber den Entwicklungen einer globalisieren Welt bedeutet.

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