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Kontext und longue durée. Öffentliche Macht und Renaissance der intellectual history.

Donnerstag, 9. Juni
15:00 bis 16:30 Uhr
Raum 3148

Die Geschichtswissenschaften, so konstatieren renommierte Historiker mit kritischem Blick auf das eigene Fach, haben mit einem wachsenden Bedeutungsverlust in der politischen Öffentlichkeit zu kämpfen. Insofern Macht von der Möglichkeit abhängt, öffentliche und politische Entscheidungsprozesse zu beeinflussen, zielt diese Sorge unmittelbar auf den Stellenwert der Geschichtswissenschaften im Machtgefüge von Demokratien ab. (Lynn Hunt, Writing History in the Global Era, New York 2014) Nicht nur der Erfolg der public history in Gestalt von Re-Enactments und populärwissenschaftlichen Darstellungen macht den auf Spezialthemen der Forschung konzentrierten Fachwissenschaftlern ihre Rolle in Debatten der Öffentlichkeit streitig. Insbesondere scheinen Fragen der Geschichte in der Öffentlichkeit im Allgemeinen und in der Politik im Besonderen in immer geringerem Mass Teil des Denk- und Entscheidungshorizonts zu sein. Politische Führungskräfte wie Nachrichtensendungen richten sich an wöchentlich erneuerten Umfragewerten statt an längerfristigen gesellschaftspolitischen Zielen aus.

Gegen diese Tendenzen haben in jüngster Zeit Vertreter der US-amerikanischen intellectual history eine theoretische und praktische Neuorientierung gefordert. David Armitage, Peter Gordon, Martin Jay und andere erkennen nicht nur eine Renaissance der Ideengeschichte, sondern verknüpfen damit auch die Forderung, die Langfristigkeit historischen Wandels, die longue durée der Ideen, wieder stärker in den Vordergrund historischer Darstellung und Forschung zu rücken. (Darrin McMahon/Samuel Moyn (Hg.), Rethinking Modern European Intellectual History, New York 2014; David Armitage, Foundations of Modern Intellectual Thought, Cambridge/Mass. 2012) Ausdrückliches Ziel dieser Neuausrichtung ist, das kritische Potential der Geschichtswissenschaften zu mobilisieren und den Einfluss ideengeschichtlicher Deutungsmacht in der Öffentlichkeit zu steigern. Statt Spekulationen über die zukünftige Rolle von sozialer Ungleichheit, Klimawandel und Global Governance sollen historische Darstellungen des langfristigen Wandels von Konzepten wie Kapitalismus, Demokratie oder Umwelt Behauptungen über eine unausweichliche ökonomische oder ökologische Entwicklung erschüttern. (Jo Guldi/David Armitage, The History Manifesto, Cambridge/Mass. 2014)

Damit wird zugleich ein Paradigma der intellectual history in Frage gestellt: die Bindung von Begriffen an den zeitlichen Kontext ihrer sprachlichen Verwendung. Explizit richten sich die genannten Vertreter der intellectual history gegen eine angebliche Übermacht des „Kontextualismus“ und seine gesellschaftspolitischen und erkenntnistheoretischen Konsequenzen. Die Vorträge des Panels sollen dazu dienen, die konzeptionellen Konsequenzen und Schwierigkeiten der jüngsten Vorschläge zu einer Renaissance der Ideengeschichte und ihrer Rolle in der politischen Öffentlichkeit zu diskutieren.

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Tagungsorganisation: Schweizerische Gesellschaft für Geschichte und Historische Institute der Universität Lausanne | Kontakt